Verweilstube von Edith
Copyright by Edith H.

Geschichten und Erlebnisse, die das Leben schrieb

Der Zeitungsverkäufer

Vor Kurzem fiel mir die Geschichte mit dem ägyptischen Zeitungsverkäufer Achmed wieder ein.
Wir bewohnten vor zig Jahren ein kleines Häuschen am Rande von Wien,
gleich daneben befand sich ein Supermarkt wovor Achmed der Zeitungsverkäufer stand
und seine Zeitungen an den Mann bringen wollte.
Kaum jemand redete mit dem schwarzen Murl, ist ja ein Fremder.
Er war nicht wirklich schwarz, sondern eben dünkler als die hiesige Bevölkerung
und deshalb nur nicht anstreifen.
Tja, mir war er sympatisch und ich plauderte sehr gerne mit ihm.
Er strahlte übers ganze Gesicht, wenn ich mit meinen damals noch kleinen Söhnen einkaufen ging.
Einmal, ich kam grad zufällig vorbei, war eine Aufsichtsperson von der Zeitungsverteilungsfirma da
und Achmed war gerade im Markt und wollte sich eine Jause kaufen.
Der Zeitungsstand war also einige Minuten unbeaufsichtigt.
Tja, das war Anlass für diese Person Achmed zu entlassen.
Traurig packte er seine Sachen und ging auf seinen ausgelatschten Schuhen,
wo die Sohle Hunger hatte, also weghing, in Richtung Bushaltestelle.
Doch eines Tages läutete es an der Gartentüre und Achmed stand da,
geschniegelt und rausgeputzt und freudestrahlend.
Er wollte mich zum Abschied noch einmal besuchen.
Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht, er meinte, er würde nach Ägypten zurückkehren.
Diese Dankbarkeit, wegen dem Wahrnehmen eines Menschen, der ärmlich und anders war,
als das Umfeld, rührte mich und ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.



Die Rache des Totengräbers


Als ich so 12 Jahre alt war, fuhr ich mit meinem Cousin auf dem Fahrrad
in unserer Kleinstadt herum.
Wir standen am Straßenrand mit dem Rücken zum Gehsteig und überlegten, wo wir nun hinfahren könnten.
Da kam der Totengräber unserer Kleinstadt, ein bekannter Alkoholiker, angetorkelt
und als er auf meiner Höhe war, zwickte er mich voll in die Pobacke.
Ich war dermaßen erschrocken, konnte aber noch sehen, wer sich an meinem Po vergriffen hatte
und sah auch noch dass er ein mir flüchtig bekanntes Mädchen anlallte.
In Panik fuhren wir schnurstracks nach Hause und ich erzählte diese Begebenheit meinem Vater.
Der war natürlich erbost und verständigte die Polizei.
Es folgte eine mir damals sehr unangenehme Vernehmung des Vorfalls,
denn ich wurde aus der Klasse geholt und nach meinen Angaben,
dass ich gesehen hatte, dass er dieses Mädchen ansprach, auch in die Schule dieses Mädchens
und auch die wurde aus der Klasse geholt und vernommen.
Die Arme wurde kalkweiß im Gesicht, denn sie wußte nicht was man von ihr wollte.
Fazit des Ganzen war, dass der Totengräber vor Gericht kam und eine Strafe ausfaßte.
Nun, Jahre später, ich hatte schon meine zwei Söhne, die so sechs und acht Jahre alt waren,
verstarb mein Schwiegervater.
Beim Begräbnis, wir standen vor dem offenen Grab, wurde der Sarg langsam runtergelassen.
Doch plötzlich plumste der mit einem Krach in die Grube.
Wir standen vor Schrecken starr davor, zum Glück ging der Sarg nicht auf,
denn den Anblick des rauskollernden toten Schwiegervaters wäre für meine Söhne nicht so leicht zu verdauen gewesen.
Nach einer Untersuchung wurde festgestellt, dass der Strick zum Runterlassen angeschnitten wurde.
Man konnte nicht nachweisen wer den Strick angesäbelt hat,
doch ich bin überzeugt, es war die Rache des Totengräbers.

Der vermeintliche Zwilling

Als meine alte Rostlaube eingegangen war, beschloß ich mir ein neues gebrauchtes Auto zu kaufen,
mit dem ich zur meiner nur 7 km entfernten Arbeit fahren konnte.
Es war ein kleiner blauer Daihatsu mit so runden lieb dreinschauenden Scheinwerfern.
Ich weiß nicht, ob euch das auch schon mal aufgefallen ist, dass Autos Gesichter haben.
Manche schauen schauen arrogant drein, manche aggresiv gefährlich und manche,
so wie mein Daihatsu, eben lieb und freundlich.

In meiner 2 stündigen Mittagspause fuhr ich meist nach Hause, wo ich in Ruhe essen konnte
und auch ein kleines Mittagsschläfchen mir gönnte, denn als Filialleiterin eines Supermarktes
begann mein Tag sehr früh und dauerte bis in die Abendstunden und das bei einer 50 Stundenwoche.
Nun ich fuhr so vor mich hin, da kam mir ein kleiner blauer Wagen entgegen,
der genauso aussah, wie meiner.
Die Lenkerin des Wagens, winkte mir voll Freude zu und ich ihr zurück.
Nachdem ich vorbei war, schaute ich noch in den Rückspiegel um an der Nummerntafel zu sehen,
ob sie aus meinem Wohnbezirk ist.

Bei der Weihnachtsfeier mit meinen Filialleiterkollegen kam die Rede auf mein neues kleines Auto
und ich erzählte ihnen von dieser Begegnung.
Sie fielen vor Lachen fast vom Stuhl, denn was ich im Rückspiegel sah, war ein rotes Nummernschild.
Der vermeintliche Zwilling war kein Daihatsu, sondern ein Mopedauto.






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